Alle Artikel von EGMR

Turning point: maintaining the independence of the European Court of Human Rights

Kanstantsin Dzehtsiarou

2015 is a crucial year for the European Court of Human Rights: a new president will be elected, a major number of judges will be replaced. One can argue that the Court is going through a turning point in its history. The perceived independence of the Court is a key to its legitimacy, while proper, transparent and clear procedure of selection of judges is a basic requirement of such independence. The most crucial stage of the process is clearly the national round of selection of candidates. It should have clear and foreseeable rules, the information about the competition should be broadly available and the selection committee should be independent from the executives. In practice, however, this first stage is the most problematic. Weiterlesen

107 Kanstantsin Dzehtsiarou

Poland: trust no one but the law

Adam Bodnar

The Strasbourg court has found that Poland violated the European Convention on Human Rights due to its collaboration in the rendition, imprisonment and torture of two terrorism-suspects (Al-Nashiri and Abu-Zubaydah) by CIA officers. This judgment may be interpreted as an accusation against the US. But neither the ECtHR nor any international human rights’ court has any jurisdiction over the assessment of individual complaints against the US. Therefore, individual cases can only be taken up against supportive countries such as Macedonia, Poland, Lithuania or Romania, but cannot be lodged against the major perpetrator. This is like punishing the fence, but not mehr

165 Adam Bodnar

Does property protection entail a right to obtain social benefits under the ECHR?

Ingrid Leijten

It goes without saying that a supranational court’s engagement with national social policy is a sensitive endeavour. This is all the more so when the norms this court is protecting are of a ‘classic’, rather than of a socio-economic kind. In the recent case of Béláné Nagy v. Hungary the European Court of Human Rights seemingly recognises a right to obtain social security benefits under Article 1 of Protocol No. 1 to the European Convention on Human Rights, which contains the right to protection of property. The case was decided by a three to four vote and hence might be referred to the Grand Chamber. Yet it is especially the strong and diverging conclusions of the majority and the minority on a sensitive issue like the protection of social security qua property rights issue, that make this judgment worth elaborating upon. Weiterlesen

340 Ingrid Leijten

Gelegenheit macht Diebe: Von V-Männern, Strafrechtsdogmatik und dem Recht auf ein faires Verfahren

Maximilian Steinbeis

Darf die Polizei mich aktiv dazu bringen, ein Verbrechen zu begehen, nur damit sie mich hinterher deswegen verhaften kann? Das darf sie natürlich nicht, alles andere wäre ein Fußtritt in die Magengrube des Rechtsstaats. Die Strafjustiz darf sich die Kriminalität, zu deren Bekämpfung sie da ist, nicht selbst bauen. Nicht nur um meinet- und meiner Grundrechte willen. Sondern weil sie sonst in einen Wirbelkreislauf aus Ursache und Wirkung geriete, in dem sie sich selbst völlig ad absurdum führen würde. Darin sind sich im Prinzip alle einig, vom EGMR über das Bundesverfassungsgericht bis zum letzten Provinzlandgericht. Aber was passiert, wenn sie es trotzdem tut? Hier hört die Einigkeit ganz schnell auf, wie ein heute verkündeter Kammerbeschluss aus Karlsruhe zeigt, der, wenn mich nicht alles täuscht, die ohnehin nicht geringe Sorgenlast, die derzeit auf den Schultern des Straßburger Menschenrechtsgerichtshofs ruht, noch um einiges vermehren dürfte. Weiterlesen

1 Maximilian Steinbeis

Schlägt das Imperium zurück? Die Straßburger Reaktion auf das EuGH-Gutachten zum EMRK-Beitritt

Tobias Lock

Jahresberichte internationaler Gerichte sorgen selten für Kontroversen oder gar Konflikte zwischen Gerichten. Die scharf formulierte Antwort auf das Gutachten 2/13 des EuGH zum EMRK-Beitritt, zu finden im Jahresbericht des EGMR, der am Donnerstag von Präsident Spielmann vorgestellt wurde, stellt sicherlich eine Ausnahme dar. Der EuGH hatte entschieden, dass der Entwurf eines Beitrittsabkommens der EU zur EMRK aus mehreren Gründen als mit den Verträgen unvereinbar war. Die akademische Kritik folgte prompt. Die kurze Passage im Vorwort des Präsidenten zum Jahresbericht, die wahrscheinlich in letzter Minute eingefügt wurde, stellt die erste Reaktion der Institution dar, die von dem Gutachten am meisten betroffen war. Weiterlesen

288 Tobias Lock
 Schwerpunkt  Verfassungs- und Völkerrecht im Spannungsverhältnis

At a crossroads: Russia and the ECHR in the aftermath of Markin

Ilya Levin

As part of Verfassungsblog’s topical focus on the prevailing tensions between international and national constitutional law, we go east and take a look at Russia and its unsteady relationship with the European Convention of Human Rights (ECHR) – particularly the lately arisen tensions between the Russian Constitutional Court (CCR) and Strasbourg in the wake of the ECtHR’s decision in the Markin case. First, and in a more general manner, we briefly review the theories conceptualizing the relationship between domestic and international law, which traditionally go by the names of monism and dualism. In doing so, we do not miss the point that, as national constitutional practice in a variety of member states of the ECHR shows, conceptual clarity in terms of commitment to one or the other grand theory is often blurred, if not contradicted (I.). Clearly, Russia is no exception (II.). The Markin case marks a turning point in the relationship between the CCR and the ECtHR as Strasbourg, for the first time, overruled a decision of the CCR, which spurred a heated constitutional debate. The repercussions are yet to be seen (III.). Weiterlesen

181 Ilya Levin

Liberalisierung der Leihmutterschaft: Straßburg legt nach

Maximilian Steinbeis

Staaten, die Leihmutterschaft bekämpfen und verbieten wollen, dürfen das tun – aber sie dürfen diesen Kampf nicht auf dem Rücken des Kindes austragen. Im letzten Sommer hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass die Staaten vor lauter Empörung nicht so tun dürfen, als habe ein von einer Leihmutter ausgetragenes Kind nicht einmal einen biologischen Vater mehr. Und erst im Dezember hat der Bundesgerichtshof daraus für Deutschland die Konsequenzen gezogen. Heute hat der Straßburger Gerichtshof eine Kammerentscheidung veröffentlicht, die zeigt, wie weit der Gerichtshof diese Linie zu treiben bereit ist. Weiterlesen

1 Maximilian Steinbeis
 Schwerpunkt  Verfassungs- und Völkerrecht im Spannungsverhältnis

The UK’s Potential Withdrawal from the European Convention on Human Rights – Just a Flash in the Pan or a Real Threat?

Jannika Jahn

The ruling Conservative party of Prime Minister David Cameron published a paper this year, called “Protecting Human Rights in the UK”. The party suggests to replace the Human Rights Act 1998 (HRA), which incorporates the ECHR into UK law, with a “home-grown” bill of rights. The aim is to attribute the European Court of Human Rights (ECtHR) only an advisory role vis-à-vis the UK parliament and to weaken the quasi precedential effect of ECtHR case-law vis-à-vis the UK Supreme Court. In case this will not be accepted by the Council of Europe (CoE), the Conservatives propose withdrawing from the Convention. mehr

321 Jannika Jahn
 Schwerpunkt  Verfassungs- und Völkerrecht im Spannungsverhältnis

Keine Diktatur der Volksherrschaft! Warum Volksrechte und Menschenrechte nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten

Raffaela Kunz

Vor einigen Tagen hat Astrid Epiney im Rahmen dieses Symposiums einen Beitrag zur in der Schweiz laufenden Debatte über das Verhältnis von Völkerrecht und Landesrecht publiziert. Zwar ist diese Diskussion in der Schweiz nicht neu und macht seit einigen Jahren auch international Schlagzeilen (Stichwort völkerrechtlich problematische Volksinitiativen wie Minarettverbotsinitiative oder Ausschaffungsinitiative), sie hat aber jüngst ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht: Die Schweizerische Volkspartei (SVP), Urheberin der eben zitierten Initiativen, hat die Lancierung einer Volksinitiative mit dem einprägsamen Titel „Schweizer Recht geht fremdem Recht vor“ in Aussicht gestellt.

291 Raffaela Kunz

Von der Freiheit, sein Kind daheim zur Welt zu bringen

Maximilian Steinbeis

Wer es erlebt hat, wird mir zustimmen: Es gibt kaum einen intimeren, mächtigeren, das Innerste buchstäblich nach außen kehrenderen Moment im Leben als die Geburt des eigenen Kindes. Bis zu welcher Grenze ist es dem Staat erlaubt, diesen Moment unter seine fürsorgliche Kontrolle zu bringen, zu meiner und meines Kindes Sicherheit, notfalls auch gegen meinen Willen? Diese Frage sucht der EGMR heute in zwei tschechischen Fällen zu beantworten. Er plagt sich erkennbar dabei, springt aber im Ergebnis der Mutter und ihrer Freiheit, vor, während und nach der Geburt über sich selbst und über ihr Kind zu bestimmen, zur Seite. Weiterlesen

1 Maximilian Steinbeis