Wenn der Bürgerkrieg vorbei ist, die Guerrillas ihre Waffen niedergelegt haben, die neue, demokratische Verfassung geschrieben und das wiedervereinte Volk sich in Freiheit und Gleichheit ein Parlament und eine legitime Regierung wählt – dann wird alles gut. So glauben wir zumindest gern, wenn wir in der Zeitung davon lesen. Dass dann aber oft mitnichten alles gut wird, dass dann die Schwierigkeiten oft erst richtig losgehen, das zeigen Beispiele zuhauf, von Kenia bis Kosovo. Bei der American Academy in Berlin ist zurzeit ein Gelehrter zu Gast, der diese Schwierigkeiten aus langjähriger Forschungs- und Beratungstätigkeit kennt: Donald Horowitz, Verfassungsrechtsprofessor an der Duke mehr ...
Alle Artikel zu Afrika
The Politics of Space: Kiobel v. Royal Dutch Petroleum
Law is a ‘politics of space.’ The last week’s Supreme Court decision in ‘Kiobel’ significantly cuts the possibilities to sue human rights violators before courts in the United States, particularly when the relevant conduct occurred on the territory of a foreign sovereign. The decision builds upon a highly territorialized notion of law and points to what may be called a ‘nationalization’ of international law—with repercussions for the transnational law of public and private global governance. In the Kiobel case transnational oil corporations (Royal Dutch Petroleum/Shell) were accused of having aided and abetted in massive violations of human rights in Nigeria, mehr ...
Rechtsschutz gegen UN-Sanktionen: Rudert der EuGH zurück?
Vor viereinhalb Jahren hat der EuGH sein epochales Urteil Kadi gefällt. Darin hat er für sich in Anspruch genommen, das Einfrieren des Vermögens von Leuten, die im Verdacht der Terrorfinanzierung stehen, am Maßstab der europäischen Grundrechte zu messen – auch wenn die Entscheidung dazu eigentlich der UN-Sicherheitsrat gefällt hat und nicht ein EU-Organ. Aus menschenrechtlicher Perspektive war dieses Urteil eine Großtat: Das Einfrieren des Vermögens von Leuten, die im Verdacht stehen, Al-Kaida zu unterstützen, ist ein außerordentlich einschneidender Grundrechtseingriff, und dagegen war ursprünglich keinerlei individueller Rechtsschutz vorgesehen. Die Kadi-Entscheidung machte dem ein Ende: Auch in Fällen, wo das Völkerrecht keinen mehr ...
“Not universal, but all over the place”: Zur Globalität der Geschichte des Völkerrechts
Eine Weltgeschichte des Völkerrechts: Da steckt gleich eine Handvoll höchst spannungsvoller Differenzen drin – global/eurozentrisch, universal/partikulär, Recht/Geschichte, normativ/faktisch, rationalistisch/empirisch, you name it. An Spannung hat es denn auch nicht gefehlt beim jüngsten Rechtskulturen-Workshop anlässlich der Veröffentlichung des von Anne Peters und Bardo Faßbender herausgegebenen Oxford Handbook of the History of International Law. Einig waren sich alle, dass es ein höchst lobenswertes Unterfangen ist, die Völkerrechtsgeschichte aus ihrer eurozentrischen Perspektive befreien zu wollen. Aber das war es dann auch schon wieder mit der Einigkeit. Was ist das Völkerrecht? Ist das die große universelle Über-Rechtsordnung, die das friedliche Miteinander der vielen partikularen mehr ...
Die neue ägyptische Verfassung: Eine vorläufige Beurteilung ihrer Vorzüge und ihrer Fehler
Ägypten kann man nicht als religiösen Staat beschreiben angesichts der Tatsache, dass die politische Macht fest in den Händen von Zivilisten bleibt, aber die Religion wird jetzt eine tragende Rolle dabei spielen, wie der Staat funktioniert. Und dass Zivilisten vor Militärgerichte gestellt werden können, wurde zum Verfassungsprinzip erhoben. Weiterlesen
Senegals verfassungspolitisches Lehrstück
von LAMINE BADJI und FILIP BUBENHEIMER Kaum hatte der senegalesische Verfassungsrat am 27. Januar in einer umstrittenen Entscheidung dem damaligen Präsidenten Abdoulaye Wade erlaubt, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, flogen in Dakar und anderen Städten des Landes die ersten Steine. Einige Tage lang tobten wütende Proteste, bei denen mindestens neun Menschen starben. Die Sorge im In- und Ausland war groß: Hatten die Richter des Verfassungsrats mit ihrer Entscheidung den Anfang vom Ende der viel gepriesenen politischen Stabilität im Senegal eingeläutet? Zwei Monate später hat die senegalesische Bevölkerung das Gegenteil bewiesen. Vergangene Woche leistete der neue Präsident Macky Sall in mehr ...
Der Präsident, der nicht gehen will
Von FILIP BUBENHEIMER Die fünf Richter des senegalesischen Verfassungsrates werden selten von Presserummel und übermäßiger internationaler Aufmerksamkeit bei der Arbeit gestört – doch die Entscheidung, die sie an diesem Sonntag verkünden, dürfte zu den folgenreichsten Urteilen zählen, die afrikanische Verfassungsrichter in diesem Jahr fällen werden: Erlaubt der Verfassungsrat dem Präsidenten Abdoulaye Wade gegen den Wortlaut der Verfassung, bei den Wahlen am 26. Februar für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, könnte der Senegal schwere Unruhen erleben und Westafrika einen wichtigen Stabilitätsanker verlieren. Während Diplomaten in Dakar an ihren Krisenplänen tüfteln, mischen ausländische Verfassungsrechtler fleißig als Gutachter in dem seit Monaten andauernden mehr ...


